INSTITUT FÜR MATHEMATIK UND
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Humor in der Mathematik

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ANEKDOTEN

Die folgende Sammlung von Geschichten zeigt, daß Mathematiker keineswegs im Elfenbeinturm hausen, sondern mit beiden Beinen im Leben stehen.

Mathematiker sind oft religiöse Menschen, ihre Gedankengänge sind aber auch in diesem irrationalen Bereich manchmal überraschend logisch. Georg Polya, der berühmte ungarische Mathematiker berichtet von Hardy, seinem berühmten englischen Kollegen, der unter anderem über die Riemann'sche Vermutung nachdachte, folgende Geschichte: Hardy glaubte an Gott, aber er glaubte auch, daß Gott es nicht gut mit ihm meinte, sondern alles daran setzte, um ihm das Leben schwer zu machen. Als er nun einmal gezwungen war, mit einem kleinen, unsicheren Boot über die stürmische See von Norwegen nach England zu reisen, und die Wahrscheinlichkeit eines Unglücks nicht exakt Null war, schrieb er eine Postkarte an einen norwegischen Kollegen mit den Worten: "Ich habe die Riemann Hypothese bewiesen". Das entsprach natürlich nicht der Wahrheit, aber Hardy's Kalkül war der folgende: Wenn das Schiff unterginge, würden alle glauben, daß Hardy die Riemann-Hypothese bewiesen hätte, und daß der Beweis unglücklicherweise mit ihm unwiederbringlich versunken wäre. Das hätte Hardy unglaublich berühmt gemacht. Er war überzeugt davon, daß Gott ihm diesen Ruhm nicht gönnen würde und daher das Schiff sicher nach England gelangen würde.

Norbert Wiener wurde einmal auf dem Campus der Universität von einem Studenten angesprochen, der eine mathematische Frage hatte. Wiener blieb stehen und erörterte mit dem Studenten das Problem. Als sie fertig waren, fragte er: Bin ich aus dieser Richtung oder aus der entgegengesetzten Richtung gekommen, als sie mich ansprachen? der Student nannte ihm die Richtung, aus der er gekommen war. Aha, sagte Wiener, dann habe ich noch nicht gegessen, und setzte seinen Weg in Richtung der Mensa fort.

Hilbert hatte abends Gäste im Haus. Als die Abendgesellschaft bagann, kam Hilbert die Treppe herunter, jedoch ohne Krawatte. Seine Frau bemerkte es gerade noch rechtzeitig und schickte ihn sofort wieder ein Stockwerk höher, um sich einen Schlips umzubinden. Sie wartete, die Gäste warteten, doch wer nicht kam, war David Hilbert. Nach einer Dreiviertelstunde ging sie schließlich ins Obergeschoss und sah ins Schlafzimmer. Da lag Hilbert seelenruhig im Bett und schlief. Was war geschehen? Hilbert war die Treppe hinaufgestiegen, ins Schlafzimmer gegeangen, und hatte begonnen, sich die Jacke auszuziehen. Ganz in Gedanken hatte er sich dann immer weiter ausgezogen, Pyjama angezogen, und war, nichts natürlicher als das, ins Bett gegangen. Gäste und Abendgesellschaft hatte er vollkommen vergessen.

Im Jahre 1964 hatte B.L. van der Waerden eine Gastprofessur in Göttingen. Als sein Gastsemester zu Ende ging, lud er alle seine Göttinger Kollegen zu einer Abschiedsgesellschaft ein. Carl Ludwig Siegel, der Göttinger Zahlentheoretiker, hatte aus irgendwelchen Gründen keine Lust, zu dieser Gesellschaft zu kommen. Um sich lange Entschuldigungen zu sparen, schrieb er van der Waerden kurz, er könne leider nicht kommen, da er soeben verstorben sei. Darauf sandte ihm van der Waerden postwendend ein Beileidstelegramm, in dem er ihm seine tiefe Anteilnahme über diesen Schicksalsschlag ausdrückte.

Es wird von einem Professor der Mathematik berichtet, der in der Vorlesung häufig etwas durcheinanderbrachte. Das kommt zwar öfters vor, doch schien es bei diesem Dozenten ziemlich schlimm zu sein, denn seine Studenten berichten über seinen Vorlesungsstil: Er sagt A, schreibt B, meint C, rechnet D, aber E wäre richtig gewesen.

Carl Friedrich Gauss hatte nicht viel Sinn für die Musik, im Gegensatz zu seinem Freunde Pfaff (Pfaffsche Formen), der ein grosser Musikliebhaber war. Er versuchte Gauss immer wieder vergeblich zu einem Konzertbesuch zu bewegen. Schliesslich hatte sein DrängenErfolg, und beide gingen ins Konzert, um sich die Neunte von Beethoven anzuhören. Nachdem die Sinfonie geendet hatte und der gewaltige Schlusschor verklungen war, fragte Pfaff seinen Freund Gauss um seine Meinung. Darauf antwortete Gauss: Und was ist damit bewiesen?

In einer Vorlesung in München 1982 werden konforme Abbildungen behandelt. Der Professor erläutert, dass die Winkel dabei unverändert bleiben und greift zu einem Beispiel aus der Geographie: Stellen Sie sich zwei Flüsse vor, die sich senkrecht kreuzen...

Professor Kaluza in Göttingen warnte seine Studenten oft vor den Gefahren des doppelten Grenzüberganges und ermahnte sie, damit vorsichtig umzugehen. Er machte dies an folgendem Beispiel klar: Ein Mann kommt mit Magenbeschwerden zum Arzt. Der Arzt untersucht ihn gründlich und sagt dann: Sie müssen öfter essen, aber dabei weniger! Der Mann wollte es besonders gut machen und führte einen doppelten Grenzübergang aus: Er aß von nun an immer nichts!

Ein Prof. erzählte: Vor Jahren hielt ich eine Anfängervorlesung und begann, wie es sich gehört, mit Logik. Zunächst erklärte ich, was man unter einer "Aussage" versteht: Eine Aussage ist ein Text, dessen Inhalt entweder wahr oder falsch ist. Als Beispiel nannte ich den Satz: Karl ist krank. In diesem Augenblick fiel mir siedendheiss ein, dass ich unbedingt einen lebenden Menschen namens "Karl" brauchte, auf den sich der Satz bezog. Andernfalls konnte man den Satz weder als wahr noch als falsch bezeichnen, d.h. er war gar keine Aussage. Um den Schaden schnell wieder gut zu machen, fragte ich in den Saal: Ist jemand unter Ihnen, der Karl heisst? Sekundenlange Stille! Dann eine Stimme aus dem Hintergrund: Der ist krank!


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