INSTITUT FÜR MATHEMATIK UND
WISSENSCHAFTLICHES RECHNEN
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Paulus Guldin

Paulus Guldin * 12.6.1577 in Mels im heutigen Kanton St. Gallen, Ý 3.11.1643 in Graz. Guldin war Professor für Mathematik an der damaligen Jesuitenuniversität in Graz. Die Guldinschen Regeln liefern Formeln zur Berechnung von Oberflächen und Volumen von Rotationskörpern. Sie werden heute noch, zumindest an Technischen Hochschulen, in Vorlesungen über Analysis gelehrt und sind auch in Standardlehrbüchern über Differential- und Integralrechnung enthalten (siehe z.B. F. Erwe, Differential- und Integralrechnung. Band 2: Integralrechnung, Seite 181f.):

Erste Guldinsche Regel: Der Rauminhalt eines Rotationskörpers ist gleich Flächeninhalt der erzeugenden Punktmenge mal Weg des Schwerpunktes (Gemeint ist: Weg, der bei der Rotation zurückgelegt wird, also 2 pi mal Abstand des Schwerpunktes von der Rotationsachse)der erzeugenden Punktmenge.

Zweite Guldinsche Regel: Die Oberfläche einer Rotationsfläche ist gleich Länge der erzeugenden Kurve (Meridiankurve) mal Weg des Schwerpunktes dieser Kurve.

Diese Regeln wurden von Guldin, natürlich in anderer Formulierung im II. Buch seiner "Centrobaryca" veröffentlicht, einem Werk bestehend aus 4 Büchern, die zwischen 1635 und 1641 in Wien erschienen sind. Man findet allerdings diese Regeln mit fast den gleichen Worten wie bei Guldin bereits in den "Collectiones" des griechischen Mathematikers Pappos von Alexandrien (ca. 300 u.Z.).

Das Institut für Mathematik der Karl-Franzens-Universität Graz ist im Besitze eines Ölbildes (vermutlich aus dem Jahre 1650), das P. Guldin darstellt.

Bild von Paulus Guldin

 | Guldin, 90K | Paulus Guldin (90K)

Das Bild enthält folgenden Untertext:

P. PAULUS GULDIN, ex heterodoxe Religiosus, ex aurifabro Mathematicus, ex Adiutore temporali Sacerdos clarus zelo, obsequio epidemicoru repetitio, vindiciis Clavij imesis Centrobarycis Mura Graecij refrenato. Ibidem studiorum afflictationum corporis et morborum beatum finem sortitus est Anno 1643 Ætatis 67. Societas 42 relictis plurimis libris et instrumentis 1650

In Übersetzung:

P(ater) PAULUS GULDIN wurde aus einem Andersgläubigen ein Ordensmann, aus einem Goldschmied ein Mathematiker, aus einem Laienbruder ein Priester, berühmt durch seinen Arbeitseifer, durch den wiederholten Einsatz für Seuchenopfer, als Verteidiger des Clavius, durch seine umfangreichen Centrobarica und durch die gezähmte Mur von Graz. Ebenda gelangte er zum seligen Ende aller seiner Studien, seiner körperlichen Beschwerden und Krankheiten im Jahre 1643 im 67. Lebensjahr, im 42. Jahr seiner Zugehörigkeit zur Gesellschaft Jesu. Er hinterließ sehr viele Bücher und Instrumente.1650 (Jahreszahl schlecht lesbar.)}

Die in diesem Text erwähnten Bücher sind glücklicherweise erhalten und werden in der Rara Sammlung der Universitätsbibliothek der KFUG bewahrt, wo sie auch dem interessierten Leser zugänglich sind. Sie bilden den Grundstock der "Bibliotheca Mathematica" (siehe Ernst Seidel: BIBLIOTHECA MATHEMATICA, von Euclid bis Gauß. Ausstellungskatalog, Universitätsbibliothek Graz, 1985), die eine bedeutende Kollektion bibliographischer Raritäten umfaßt.

(Text: Prof. Dr. Detlef Gronau)


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